Mike Chen | Senior Writer | 5. November 2025
Es scheint, als spreche derzeit jeder über Large Language Models (LLMs). Kein Wunder, denn öffentlich zugängliche, LLM-gestützte Chatbots wie ChatGPT oder Microsoft Copilot haben praktisch alles revolutioniert. Für Unternehmen, die KI in Anwendungen integrieren möchten, sind LLMs jedoch nicht immer erforderlich – tatsächlich können sie in vielen Fällen sogar überdimensioniert sein. Hier kommen kleine Sprachmodelle ins Spiel. SLMs sind kompakte, spezialisierte KI-Modelle, die sich für viele Anwendungsfälle eignen – wie z. B. für vollständig auf Geräten laufende Anwendungen oder für Systeme, die mit sensiblen internen Daten arbeiten oder umfangreich trainiert werden müssen, um Halluzinationen zu minimieren. Sie gewinnen auch in Forschung und Wissenschaft an Bedeutung, da viele Teams maßgeschneiderte Modelle benötigen, aber nicht über die Infrastruktur oder das Budget verfügen, ein LLM zu entwickeln.
SLMs funktionieren grundsätzlich wie LLMs, jedoch in deutlich kleinerem Umfang – in der Regel sind sie 100- bis 1.000-mal kleiner. Für das Training können kleinere Datensätze verwendet werden, was die Trainingszeit reduziert, und das fertige Modell ist kostengünstiger und leichter handhabbar. Da ein SLM offline betrieben werden kann, lässt es sich oft sicherer konfigurieren als ein LLM, und in der Praxis sind die Inferenzzeiten in der Regel kürzer. Viele SLMs lassen sich direkt auf Smartphones, Tablets oder Edge-Geräten ausführen.
Typischerweise werden SLMs für einen eng umrissenen Aufgabenbereich trainiert, häufig mit einer Spezialisierung – wie z. B. für die Zusammenfassung von Transkripten, das Übersetzen einfacher Nutzeranfragen in Code-Snippets oder das Verarbeiten sensibler Daten vollständig in lokalen Umgebungen, um Cloud-Transfers zu vermeiden und Compliance zu verbessern. Da SLMs feinabgestimmt oder auf proprietären Daten trainiert werden können, ohne die sichere Umgebung eines Unternehmens zu verlassen, sind sie außerdem oft weniger anfällig für Fehler oder Halluzinationen als LLMs.
SLMs vs. LLMs: Effizienz und Skalierbarkeit
SLMs und LLMs folgen denselben Entwicklungsschritten und technischen Grundanforderungen. Der Unterschied liegt im Umfang – und dieser wirkt sich auf alles aus: vom Training über den laufenden Betrieb bis hin zu Ressourcenverbrauch und Kosten.
Die meisten großen Sprachmodelle (LLM) verfügen über Hunderte Milliarden Parameter und werden mit riesigen Datenmengen für anspruchsvolle Aufgaben wie öffentlich zugängliche Chatbots trainiert. Die Bereitstellung eines LLMs im eigenen Unternehmen erfordert erhebliche Rechenleistung, Energie, Speicherplatz und physische Infrastruktur. Daher setzen IT-Architekten zunehmend auf SLMs, um spezialisierte KI-Funktionen bereitzustellen – insbesondere dann, wenn ein On-Premises- oder Cloud-LLM nicht notwendig oder nicht praktikabel ist. Da SLMs für klar abgegrenzte Aufgaben entwickelt werden, kann ihr Training auf eine deutlich geringere Zahl von Parametern beschränkt werden – meist nur einige Milliarden oder sogar wenige hundert Millionen. Verglichen mit Hunderten Milliarden Parametern zeigt sich schnell, warum ein SLM wesentlich leichter zu trainieren, zu testen, bereitzustellen und dauerhaft zu verwalten ist.
SLMs vs. LLMs: Hauptunterschiede
| Element | SLM | LLM |
|---|---|---|
| Training | Domänenspezifische Datensätze mit spezialisiertem Wissen | Umfassende Datensätze mit breit gefächertem Wissen |
| Modellgröße | Modellparameter meist zwischen 100 Millionen und 10 Milliarden | Modellparameter bis in den Hunderte-Milliarden- oder sogar Billionenbereich |
| Infrastruktur | Klein genug, um auf einem Edge- oder Handheld-Gerät betrieben zu werden | Erfordert skalierbare, meist cloudbasierte Verarbeitung, um enorme Datenmengen zu bewältigen |
| Trainingsleistung | Schneller und kostengünstiger zu trainieren, da das Modell nur eine begrenzte Anzahl an Parametern enthält | Teuer und zeitaufwendig im Training und erfordert zahlreiche spezialisierte Prozessoren |
| Laufzeitleistung | Schnelle Inferenz ohne GPUs und lauffähig auf gängiger Endanwenderhardware | Hochleistungsserver, häufig mit GPUs für parallele Verarbeitung, erforderlich, um Inferenz im großen Maßstab zu unterstützen |
| Sicherheit und Compliance | Kann sensible Daten innerhalb der Organisation halten und direkt auf Geräten verarbeiten | Datenabfluss, Compliance-Risiken und Bedrohungen durch externe Datenquellen und -übertragungen gehören zu den Sicherheitsrisiken im großen Maßstab |
Wichtige Erkenntnisse
SLMs werden nach denselben Schritten wie LLMs trainiert, optimiert und bereitgestellt – nur in wesentlich kleinerem Maßstab. Zentrale Schwerpunkte sind:
SLMs sind eine sinnvolle Wahl, wenn technische, regulatorische oder betriebliche Rahmenbedingungen den Einsatz eines LLMs verhindern oder wenn die umfassenden Fähigkeiten eines LLMs für den Anwendungsfall nicht erforderlich sind. Darüber hinaus bieten SLMs natürliche Vorteile wie schnellere Inferenz, geringere Latenz, hohe Flexibilität bei der Bereitstellung und potenziell weniger Halluzinationen. Wie LLMs können auch SLMs in der Cloud betrieben werden.
SLMs können dabei helfen, KI lokal bereitzustellen – selbst bei Hardware- und Strombegrenzungen sowie knappen Budgets. Zu den wichtigsten Vorteilen von SLMs gehören:
SLMs werden häufig dafür entwickelt, in IoT-/Edge-Geräte eingebettet oder in Software-Workflows integriert zu werden. Hier einige typische Beispiele für den praktischen Einsatz von SLMs:
Wie ihre größeren Gegenstücke, die LLMs, entwickeln sich auch SLMs stetig weiter. Folgendes zeichnet sich bereits am Horizont ab:
Oracle Cloud Infrastructure (OCI) bietet passgenaue Compute-Optionen und ein umfassendes Portfolio verwalteter KI-Services und eignet sich daher ideal für die Entwicklung, das Training und die Bereitstellung von SLMs. OCI stellt eine kosteneffiziente und skalierbare Infrastruktur bereit, bei der Teams nur für die Ressourcen zahlen, die sie tatsächlich benötigen. Mehrere Regionen und Optionen zur Datenresidenz ermöglichen globale Reichweite und erfüllen gleichzeitig regulatorische und Compliance-Anforderungen – einschließlich Anforderungen an KI-Souveränität. Für Organisationen, die keine Daten in die Cloud migrieren können oder keine Public-Cloud-Modelle nutzen dürfen, stehen spezialisierte OCI-Angebote zur Verfügung. Erweiterte Sicherheitsfunktionen sorgen für zusätzliche Absicherung.
Während LLMs oft mehr Aufmerksamkeit erhalten, sind SLMs ein zentrales Element der generativen KI, insbesondere für spezialisierte Aufgaben wie das Einbetten von Sprachfunktionen in Unternehmensanwendungen oder das Bereitstellen von On-Device-KI auf Smartphones und Tablets. Mit OCI können Teams SLMs trainieren, feinabstimmen und testen und sie in Laufzeitumgebungen integrieren, die auf domänenspezifisches Know-how ausgerichtet sind – und das alles innerhalb der Grenzen von Hardwarebudgets und Betriebsumgebungen. So profitieren auch Bereiche von KI, in denen der Einsatz von LLMs nicht praktikabel wäre.
Führungskräfte wissen, dass KI deutliche operative Vorteile bringt – durch bessere Prozesse, geringere Kosten und höhere Produktivität. Kleine Sprachmodelle machen diese Vorteile für noch mehr Unternehmen zugänglich.
Wie werden kleine Sprachmodelle für spezifische Anwendungen optimiert?
Die Feinabstimmung eines SLM erfolgt durch die Anpassung an eine bestimmte Aufgabe oder Branche mithilfe eines gezielten Datensatzes, beispielsweise mit Kundensupport-Skripten oder medizinischen Dokumenten. SLMs können in der Cloud mit fachspezifischen Daten trainiert und feinabgestimmt werden, wobei die Parameter auf die Anforderungen der Anwendung zugeschnitten werden. So muss eine Gesundheitsanwendung keine Literaturzitatesammlung beherrschen, und ein Tool zur E-Mail-Zusammenfassung benötigt keine aktuellen Sportergebnisse. Entscheidend ist, dass das Modell branchentypisches Vokabular, Muster und Kontext erlernt. Diese gezielte Ausrichtung hilft SLMs dabei, ihre geringere Kapazität durch spezialisierte Funktionen auszugleichen. Gleichzeitig müssen Mitarbeiter, die das Taining durchführen, darauf achten, eine Überanpassung zu vermeiden – ein Modell darf nicht nur auf Trainingsdaten gut funktionieren, sondern muss auch neue Inhalte zuverlässig verarbeiten.
Welche Sicherheitsaspekte ergeben sich beim Einsatz kleiner Sprachmodelle?
Training, Feinabstimmung und Tests können in einer sicheren Cloud-Umgebung effizient durchgeführt werden. Werden SLMs danach direkt auf Geräten betrieben, ergeben sich oft zusätzliche Sicherheitsvorteile, da für die Inferenz keine externen Services erforderlich sind. Zudem erleichtert ihr klar begrenzter Funktionsumfang vielen Unternehmen die Umsetzung regulatorischer Vorgaben und den Schutz sensibler Daten.