Neil Sholay, VP of AI bei Oracle
München—19. Januar 2026Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Phase experimenteller KI-Pilotprojekte geht zu Ende. Nach Jahren von Proof-of-Concepts und Tests stehen Führungskräfte vor einer klaren Entscheidung: die neuen Möglichkeiten autonomer KI-Agenten nutzen – oder zusehen, wie Wettbewerber sich einen Vorsprung sichern.
Was hat sich geändert? Die Hürden, die den Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen bislang extrem komplex machten, werden systematisch abgebaut. Wir erleben das Zusammenspiel von drei starken Kräften: vordefinierte Agenten, die nahtlos in zentrale Geschäftssysteme integriert sind, zugängliche Plattformen zur Agentenerstellung ohne Bedarf an KI-Spezialisten sowie breite Partnerökosysteme mit validierten, branchenspezifischen Lösungen. Das Ergebnis: KI-Agenten entwickeln sich von einem experimentellen Luxus zu einer geschäftlichen Notwendigkeit. 2026 ist das Jahr der Operationalisierung von KI.
Auf Basis meiner Beobachtungen bei unseren Kunden und im gesamten Unternehmensumfeld ergeben sich fünf Prognosen dazu, wie KI-Agenten Unternehmen im Jahr 2026 verändern werden.
Ab Mitte 2026 stellt sich nicht mehr die Frage, ob Unternehmen KI-Agenten in ihre Geschäftsprozesse integrieren sollten. Die entscheidende Frage lautet, warum sie es noch nicht getan haben und worauf sie warten. Selbst entwickelte Pilotprojekte gelten zunehmend als riskantere Alternative zu eingebetteten, vorgefertigten Funktionen, die den operativen Alltag unterstützen. Wir sehen bereits die erste Welle nativ eingebetteter Agenten in Oracle Fusion Cloud Applications – in den Bereichen Finanzen, Personalwesen, Lieferkette und Customer Experience. Dabei handelt es sich nicht um aufgesetzte KI, sondern um integrierte KI. Diese Agenten sind direkt in die Workflows integriert, in denen die tägliche Arbeit stattfindet.
Der Wettbewerbsvorteil liegt bei den Unternehmen, die das Muster erkennen: Spezialisierte KI-Funktionen, die zunächst als eigenständige Services starten, werden früher oder später Teil zentraler Geschäftsplattformen. Erst diese Integration macht KI zu einem vollwertigen operativen Bestandteil des Unternehmens – statt zu einer Sammlung isolierter Tests. Die erfolgreichen Unternehmen im Jahr 2026 sind diejenigen, die das „Wir bauen alles selbst“-Denken hinter sich lassen und die bereits in ihren Unternehmenssystemen integrierte Intelligenz aktiv nutzen. Jeder Monat des Zögerns verschafft Mitbewerbern messbare Produktivitätsgewinne.
KI-Kompetenz bedeutete lange Zeit teure Spezialisten und lange Implementierungszyklen. Das ändert sich grundlegend. Bereits im kommenden Jahr werden Führungskräfte in den Bereichen Finanzen, Personalwesen und Lieferkette KI-Agenten selbst erstellen und anpassen – mithilfe intuitiver Vorlagen, Benutzeroberflächen und Low-Code-Tools. Diese Demokratisierung markiert einen entscheidenden Wandel beim Wettbewerbsvorteil.
Erfolgreich sind 2026 nicht die Unternehmen mit den größten KI-Budgets oder -Teams. Erfolgreich sind jene, deren Fachbereichsverantwortliche zu Architekten intelligenter Automatisierung werden. Wenn Personalleiter neue Benefit-Dokumente hochladen können und intelligente Agenten sofort Mitarbeiteranfragen in natürlicher Sprache beantworten, beschleunigt sich die Innovation exponentiell. Mit mehr als 32.000 zertifizierten Experten für KI-Agenten in Oracle Fusion Applications ist dies keine Theorie mehr. Es ist heute bereits Realität.
Die heutige Enterprise-KI-Landschaft wird von horizontalen Ansätzen geprägt. Diese adressieren allgemeine Anwendungsfälle für standardisierte Geschäftsprozesse und Best Practices. Die nächste Stufe – vertikale KI – löst komplexe, branchenspezifische Herausforderungen und erzielt zusätzlichen P&L-Effekt.
Dieser Wandel verändert den KI-Einsatz grundlegend. Vertikale KI erfordert eine tiefe Integration in Workflows, Geschäftsdaten und Fachwissen. Ihre Wirkung ist jedoch erheblich. Erfolgreiche Unternehmen im Jahr 2026 kombinieren standardisierte agentenbasierte Anwendungsfälle mit vertikalen Fähigkeiten, die komplette Geschäftsprozesse nahtlos orchestrieren. Sie verknüpfen KI-Inferenz mit Workflows, integrieren Domain-Wissen und erschließen hochwertige Automatisierung.
Die Ökosystemlogik, die Cloud-Infrastrukturen geprägt hat, wird 2026 auch die Enterprise-KI dominieren. Systemintegratoren und unabhängige Softwareanbieter liefern validierte, branchenspezifische Agenten für komplexe funktionale Anforderungen – genau dort, wo vertikale KI echten Wettbewerbsvorteil schafft. Statt monatelanger Bewertung generischer Punktlösungen können Unternehmen spezialisierte Agenten innerhalb weniger Tage entdecken, testen und direkt in bestehende Workflows integrieren.
Einzelne Agenten, die isolierte Aufgaben automatisieren? Das ist inzwischen Standard. Die eigentliche Transformation entsteht durch intelligente Orchestrierung: mehrere spezialisierte Agenten arbeiten in komplexen Workflows zusammen, während an entscheidenden Punkten weiterhin menschliches Urteilsvermögen eingebunden bleibt. Hier treffen operative Neugestaltung und Automatisierung aufeinander.
Führende Unternehmen im Jahr 2026 orchestrieren Agententeams, die Geschäftsregeln automatisch anwenden, Compliance strikt einhalten, sich nahtlos in die bestehende Technologielandschaft integrieren und menschliche Expertise skalieren, statt sie zu ersetzen. Diese Orchestrierung bewahrt institutionelles Wissen und vervielfacht gleichzeitig seine Wirkung. Unternehmen, die Multi-Agent-Workflows beherrschen, arbeiten mit grundlegend anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als jene, die nur punktuelle Automatisierung einsetzen. Die Gewinner automatisieren nicht nur Prozesse – sie gestalten sie intelligent neu.
Die harte Wahrheit lautet: Die technische Komplexität Ihrer KI-Agenten ist deutlich weniger entscheidend als die Geschwindigkeit, mit der Sie sie einsetzen und ihren Nutzen messen. Im Jahr 2026 gewinnen nicht die Unternehmen mit der fortschrittlichsten KI-Infrastruktur, sondern jene, die Agenten schnell aktivieren, konkrete Geschäftsergebnisse messen und konsequent iterieren.
Erfolg wird nicht länger daran gemessen, wie viele KI-Piloten oder Agenten entwickelt wurden. Entscheidend sind die tatsächliche Nutzungsrate und die Tiefe der Verankerung im Unternehmen. Noch wichtiger: Jeder Agent muss seine Existenz durch klare KPIs rechtfertigen. Unternehmen verfolgen systematisch, welchen Beitrag einzelne Agenten und Agententeams zu diesen Kennzahlen leisten. Agenten, die ihren Nutzen belegen, werden schnell skaliert. Agenten ohne Wirkung werden abgeschaltet. Dieser konsequente Fokus auf Messbarkeit und Adoption lenkt Investitionen gezielt dorthin, wo echter Mehrwert entsteht.
Das bedeutet, eine klare Consume–Configure–Build-Hierarchie zu verfolgen: Zunächst werden die bereits in Anwendungen eingebetteten, vorgefertigten Agenten aktiviert. Anschließend werden sie für spezifische Prozesse konfiguriert. Erst danach sollte der Aufbau individueller Lösungen in Betracht gezogen werden. Dazu gehört auch, vor der Aktivierung klare Ausgangskennzahlen und KPI-Ziele festzulegen und diese anschließend konsequent zu messen, um einen konkreten ROI nachzuweisen. Der Fokus sollte auf volumenstarken, wirkungsstarken Prozessen liegen, in denen Agenten sofort messbaren Mehrwert liefern. Im Jahr 2026 entscheidet nicht die technische Raffinesse, sondern die Geschwindigkeit der Einführung über Marktführerschaft oder Rückstand.
Der Business Case für KI ist eindeutig. Die verbleibende Frage ist nicht, ob KI-Agenten Ihre Branche verändern werden – das werden sie. Die entscheidende Frage lautet, ob Sie diese Transformation anführen oder ihr hinterherlaufen.
Die erfolgreichen Unternehmen im Jahr 2026 sind jene, die den größten praktischen Wettbewerbsvorteil aufgebaut haben, indem sie Intelligenz dort orchestrieren, wo sie den größten Effekt erzielt: direkt in den Workflows, die Umsatz und Effizienz treiben.
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